Güterzug mit Containern und Wechselaufbauten fährt am Rhein entlang Foto: Christian Schultz
Güterzug mit Containern und Wechselaufbauten fährt am Rhein entlang

Branchen-Initiative „Rettet den Kombinierten Verkehr“ gegründet

Die Wettbewerbsfähigkeit u. a. des Kombinierten Verkehrs ist aktuell angesichts gravierender Trassenpreissteigerungen, erheblicher Mehrkosten durch Umleitungen im Zuge der Generalsanierungsprojekte und Verspätungen erheblich gefährdet. Es droht inzwischen in großem Stil eine Rückverlagerung von Transporten von der Schiene auf die Straße.

Der Verkehrssektor hat in den vergangenen Jahren seine im Klimaschutzgesetz festgelegten Ziele regelmäßig verfehlt. Während die Gesamt-Treibhausgasemissionen in Deutschland seit 1990 stark gesunken sind, gab es im Verkehrssektor bisher kaum eine Verbesserung. Der Anteil des Verkehrs an den Gesamtemissionen ist dadurch seit 1990 von etwa 13 % auf ca. 22 % im Jahr 2023 gestiegen. Ursache für diese Entwicklung war vor allem der stetig wachsende Straßengüterverkehr, der motorisierte Individualverkehr und der zunehmende Absatz von Dieselkraftstoff. Ohne umfassende Verlagerung u. a. von Gütertransporten auf den umweltschonenden Verkehrsträger Schiene wird Klimaschutz im Verkehrsbereich nicht funktionieren!

In Deutschland bzw. Europa spielt der Kombinierte Verkehr (KV) daher eine zentrale Rolle in der Logistik. Denn er verbindet jeweils die Stärken von Straße und Schiene: Güter werden in Containern, Wechselbrücken oder Sattelaufliegern auf dem längsten Teil der Strecke umweltfreundlich und in hohem Maß energieeffizient auf der Schiene befördert. Die Feinverteilung bzw. der Vor- und Nachlauf erfolgen per Lkw. Ein einziger Güterzug kann dabei bis zu 52 Lkw ersetzen.

Das Verlagerungspotenzial auf die Schiene ist nicht ausgeschöpft

Der Bahnverkehr ist angesichts des geringen Rollwiderstands wesentlich energieeffizienter als der Lkw-Transport. Der Kombinierte Verkehr war dabei bislang das Segment des Schienengüterverkehrs, das in der Vergangenheit am stärksten gewachsen ist. Die „Lkw-Lawine“ auf den Autobahnen zeigt jedoch auch, dass das Verlagerungspotenzial auf die Schiene bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Es kommt hinzu: Logistik-Standorte sind inzwischen immer weniger bzw. (mangels Gleisanschluss) gar nicht mehr für die Verladung und den Empfang einzelner Waggons ausgelegt!

Doch die Wettbewerbsfähigkeit des Kombinierten Verkehrs als Wachstumstreiber und Hoffnungsträger ist zunehmend gefährdet. Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sinken nicht nur im Personen-, sondern eben auch im Güterverkehr auf ein vor Jahren noch unvorstellbares Niveau. Die Rückverlagerung von Transporten von der Schiene auf die Straße ist daher mittlerweile Realität!

Ursache ist im Wesentlichen der seit Jahren schleichende Verfall der Schieneninfrastruktur bei gleichzeitig deutlich steigenden Trassenpreisen und einer zunehmenden Anzahl von Baustellen. Ein besonderes Problem stellen inzwischen die verkehrlichen Auswirkungen durch die Korridorsanierungen dar.

Vollsperrungen trotz unzureichender Umleitungsmöglichkeiten

Unstrittig ist die Notwendigkeit der Sanierung der Schieneninfrastruktur. Nicht überraschend sind jedoch die dramatischen Folgen des aktuellen Sanierungskonzepts, das vorsieht, viele Korridore für mehrere Monate hinweg komplett zu sperren, ohne dass ausreichend leistungsfähige und verlässliche Alternativen an Umleitungen zur Verfügung stehen! Viele der angebotenen Umleitungsmöglichkeiten erweisen sich leider als nicht praxistauglich bzw. marktfähig und sind damit letztlich nur „auf dem Papier“ Alternativen, da

- Züge vielfach kürzer und leichter sein müssen,
- lange Umwege zwangsläufig auch zu deutlich höheren Kosten führen,
- mangels Elektrifizierung von Umleitungsstrecken Dieseltraktion erforderlich ist, ggf. sogar verbunden mit der Notwendigkeit anderer Zugsicherungssysteme, sofern auf die Infrastruktur der Nachbarländer ausgewichen werden muss (hinzu kommen in diesem Fall noch mögliche Sprachbarrieren).

Eine Umleitungsmöglichkeit, die nicht marktfähig ist, ist damit aber faktisch KEINE Umleitungsmöglichkeit. Zudem sorgen diese Verkehre letztlich für die endgültige Überlastung des jeweils noch befahrbaren Netzes. Doch damit nicht genug: Eine einzige Havarie genügt dann, um die anspruchsvolle, „auf Kante genähte“ Umleiterlogistik völlig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hierzu gehört beispielsweise der Brand im elektronischen Stellwerk Gerwisch am 23. September 2025 (Strecke Berlin – Magdeburg), bei dem massive Schäden an der Leit- und Sicherungstechnik entstanden sind und welches nunmehr neu errichtet werden muss.
Unverständlich ist an der aktuellen Situation leider die Gleichgültigkeit und das Desinteresse der Verkehrspolitik! Dabei ist im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD u. a. auch als Ziel formuliert: „Wir wollen mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern“. Wann erfolgen dazu aber nun entsprechende Taten?

Appell der Schienengüterverkehrsbranche

Angesichts der aktuell kritischen Rahmenbedingungen wurde die Brancheninitiative „Rettet den Kombinierten Verkehr“ gegründet, die von den Kombioperateuren Kombiverkehr und Hupac koordiniert wird. Ziel ist es, den Kombinierten Verkehr als unverzichtbare Säule der Versorgung und Klimapolitik nicht nur zu sichern, sondern zu stärken.

Folgende kurz- und mittelfristige Forderungen wurden definiert:

  1. Nullrunde(n) bei den Trassenpreisen als notwendiges Sofortsignal;
  2. Kapazitätsgarantie von mindestens 90 Prozent der heutigen Transportleistung bei allen Korridorsanierungen und längeren Baustellen;
  3. Ertüchtigung geeigneter Umleitungsstrecken mit gleichen Parametern für Zuglänge, Zuggewicht und Zugprofil wie auf den Hauptachsen;
    So wurde z. B. die Notwendigkeit des Ausbaus bzw. die Elektrifizierung der „Ostbahnstrecke“ Berlin – Grenze Deutschland/Polen (– Kostrzyn – Krzyż – Poznań) als Bypass bzw. Resilienzkorridor in der Zeitschrift SIGNAL bereits mehrfach erläutert. Ein weiteres Beispiel für den Ausbau eines Resilienzkorridors ist die Strecke Neustadt (Dosse) – Pritzwalk – Karow (Mecklenburg) – Rostock.
  4. Trassenvergabe bei Engpässen nach Marktanforderung (Berücksichtigung von Profil, Zuglast und Vertaktung, um möglichst viele Transporte auf der Schiene zu halten);
  5. Betriebserschwerniszulage für minderwertige Trassen während Bauphasen bzw. eine finanzielle Kompensation (damit Verbindungen nicht eingestellt werden müssen);
  6. Aussetzung der Entgelte bei Stornierung von Trassen bis zur Wiederherstellung einer akzeptablen Netzqualität.

Etliche Verbände unterstützen inzwischen diese Brancheninitiative. Auch der Deutsche Bahnkunden-Verband e.V. gehört inzwischen dazu.

Jeder kann mitmachen – Petition gestartet

Um die Diskussion in Politik und Öffentlichkeit zu stärken, hat die Initiative eine Petition gestartet, die über den folgenden Link erreichbar ist: www.openpetition.de/!kvretten.
Jede Unterstützung bzw. jede Unterschrift zählt hierbei!

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