Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen bei der Erreichung seiner Klimaschutzziele – öffentlicher Verkehr ist ein entscheidender Hebel
Berlin, 15. Mai 2026 – Der Expertenrat für Klimafragen (ERK) hat gestern seinen Prüfbericht zur Berechnung der deutschen Treibhausgasemissionen für das Jahr 2025 sowie zu den Projektionsdaten 2026 vorgelegt. Die Ergebnisse zeigen: Deutschland ist auf einem Kurs, der die nationalen und europäischen Klimaziele deutlich verfehlt. Nach Auffassung des Deutschen Bahnkunden-Verbandes (DBV) trägt dazu auch das politische Ignorieren der Bedeutung des öffentlichen Verkehrs (öV) bei. Ein starker und leistungsfähiger öV könnte für die Emissionsreduktion eine zentrale Rolle spielen. Stattdessen werden planlos weitere Milliarden Steuergelder für den Straßenverkehr direkt und indirekt bereitgestellt. Eine kritische Evaluation dieser Ausgaben, ob sie denn tatsächlich den gewünschten Erfolg haben, findet nicht statt.
Laut den Projektionsdaten 2026 werden die Treibhausgas- (THG-)Emissionen im Verkehrssektor bis 2030 um rund 21 Prozent sinken. Dieser Rückgang ist zwar signifikant, reicht jedoch nicht aus, um die gesetzlich vorgesehenen Budgetziele zu erreichen – ein klarer Hinweis auf eine erhebliche Zielverfehlung.
Ein zentraler Treiber für die Reduktion wäre die Verlagerung von Fahrten hin zum öffentlichen Verkehr. Die Projektionsdaten gehen davon aus, dass die Personenverkehrsleistung im öffentlichen Verkehr bis 2030 jährlich um 2 bis 3 Prozent steigt. Diesen Trend begründet die Bundesregierung insgesamt mit der Reduktion der Kosten für den öffentlichen Personenverkehr.
Der Expertenrat für Klimafragen betont jedoch, dass die tatsächliche Entwicklung des öffentlichen Verkehrs mit erheblichen Unsicherheiten behaftet ist. Die Annahmen der Bundesregierung berücksichtigen die Wirkung des Deutschlandtickets beispielsweise nur indirekt über Preisminderungseffekte und enthalten zahlreiche Unsicherheiten. Die berechnete THG-Minderungswirkung des Deutschlandtickets liegt mit 3,7 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent bis 2030 deutlich unter den Ergebnissen unabhängiger Studien und unterhalb der Angaben im Klimaschutzprogramm 2026.
Zusätzlich wird die Entwicklung der Verkehrsnachfrage durch die Bevölkerungsentwicklung, das Bruttoinlandsprodukt und die Kraftstoffpreise beeinflusst. Die Projektionsdaten gehen bis 2030 von einer nahezu unveränderten Gesamtleistung des Personenverkehrs aus. Aktuelle Daten deuten jedoch darauf hin, dass die Pkw-Fahrleistung im Jahr 2025 um etwa ein Prozent gestiegen ist – im Gegensatz zu den Vorhersagen einer Reduktion. Dies lässt auf eine Unterschätzung der Verkehrsnachfrage schließen, die auch die Wirkung des öffentlichen Verkehrs beeinflusst.
Der Expertenrat kommt zu der Einschätzung, dass es im Verkehrssektor unbestritten zu einer deutlichen Zielverfehlung kommen wird. Die aktuelle Bedeutung des öffentlichen Verkehrs wird, so der Eindruck des DBV, überschätzt, um eine sonst notwendige Reform der Verkehrspolitik zu vermeiden. Die Verlagerung hin zum öffentlichen Verkehr ist gerade deshalb nicht nur ein klimapolitischer Ansatz, sondern eine notwendige Voraussetzung für die Erreichung der Klimaziele. Verkehrsreduktion, Verkehrsvermeidung und Stärkung des Umweltverbundes – der umweltschonenden Mobilitätsalternative zum eigenen Pkw – gehören sofort auf die verkehrspolitische Agenda.
Der öffentliche Verkehr ist ein Schlüssel für eine klimafreundliche Mobilität. Doch seine Wirkung hängt von robuster Infrastruktur, attraktiven Tarifen und nachhaltiger Finanzierung ab. Ohne konsequente Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs wird Deutschland die Klimaziele nicht erreichen.
Die Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, die Klimaschutzpolitik stärker auf die Integration des öffentlichen Verkehrs auszurichten: mit weniger Bürokratie, mehr Mitsprache der Betroffenen, mehr Investitionen, einem besseren Verkehrsangebot sowie einer Politik, die Mobilität für alle zugänglich und nachhaltig macht.
Nicht zuletzt hat der DBV seine Ziele im Motto „Wir wollen einen starken Bahn- und Busverkehr. Auf dem Land. In der Stadt.“ zusammengefasst.
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