
Menschen mit Mobilitätseinschränkungen wandern weitere Jahre auf „Fernwanderwegen“ und vielleicht bald auch auf „Bergwanderwegen?
Stuttgart, 9. Juni 2026 – Scharfe Kritik an der erneuten Verschiebung der Inbetriebnahme des neuen Bahnknotens Stuttgart bis in das Jahr 2031. Die neuerliche Verzögerung ist nicht nur ein verkehrspolitisches Debakel, sondern vor allem ein schwerer Rückschlag für alle Fahrgäste in der Region und bundesweit. Besonders betroffen sind Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, die weiterhin auf eine in der Praxis barrierefreie Bahninfrastruktur warten müssen.
„Die Verschiebung bis 2031 ist eine Bankrotterklärung für eines der größten und ambitioniertesten Infrastrukturprojekte Deutschlands. Die Leidtragenden sind einmal mehr die Fahrgäste“, erklärt Klaus Honold, DBV-Bundesvorstand für barrierefreie Mobilität. „Wer seit Jahren auf komfortable Wege, zuverlässige Umsteigemöglichkeiten und eine leistungsfähige Infrastruktur hofft, wird erneut vertröstet.“
Nach Ansicht von Honold geraten insbesondere die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen, Seniorinnen und Senioren sowie Familien mit Kinderwagen sowie Personen mit Fahrrädern und größerem Gepäck in der öffentlichen Debatte viel zu oft in den Hintergrund. Während über Kostensteigerungen, Baufortschritte und technische Probleme natürlich auch zurecht diskutiert wird, müssen Betroffene weiterhin mit provisorischen Lösungen und alltäglichen Hindernissen leben.
Geht man davon aus, dass der Kopfbahnhof dauerhaft bleibt, fehlt ein schlüssiges Konzept, wie Fahrgäste von der tiefen Ebene der S-Bahn über mehrere Stockwerke auf den bestehenden Kopfbahnsteig gelangen sollen. „Droht uns neben den Fernwanderwegen nun auch ein „Bergwanderweg?“ fragt Honold.
„Zu kritisieren sind die wiederholten Terminverschiebungen und die offensichtliche Unfähigkeit mit den Herausforderungen technischer Infrastruktur umzugehen. Das Vertrauen in die Planungs- und Steuerungsfähigkeit der Projektverantwortlichen ist nachhaltig beschädigt“, so Honold. Ursprünglich sollte Stuttgart21 bereits vor Jahren in Betrieb gehen. Nun drohe ein weiterer Zeitraum von fünf Jahren, in dem zentrale Verbesserungen für die Fahrgäste ausbleiben.
„Barrierefreiheit ist kein Luxus und kein optionales Ausstattungsmerkmal. Sie ist ein Menschenrecht und Voraussetzung für gleichberechtigte Mobilität und Teilhabe. Dass Menschen mit Mobilitätseinschränkungen nun erneut jahrelang auf zugesagte Verbesserungen warten sollen, ist nicht akzeptabel“, so Honold weiter.
Von den Projektpartnern, insb. der Deutschen Bahn, wird eindringlich gefordert, umgehend ein schlüssiges Konzept zur Verbesserung der Situation im bestehenden Bahnknoten Stuttgart vorzulegen. Notwendig sind hierbei auch beschleunigte Maßnahmen zu Instandhaltung und Modernisierung bestehender Anlagen, welche voraussichtlich für viele Jahre oder gar dauerhaft bleiben werden.
Zugleich ist vollständige Transparenz über die Ursachen der erneuten Verzögerung und ein belastbarer Zeitplan für die Fertigstellung des Projekts herzustellen. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, warum sich die Inbetriebnahme erneut um Jahre verschiebt und welche Konsequenzen daraus für die Fahrgäste entstehen.
„Die Menschen erwarten zu Recht Verlässlichkeit. Statt neuer Terminankündigungen braucht es endlich Ergebnisse. Die Geduld der Fahrgäste ist längst überstrapaziert.“, so Klaus Honold abschließend.
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