Flughafen Paderborn-Lippstadt bekommt 4,5 Millionen Euro Beihilfe zum Überleben
Kennen Sie einen Flughafen, der (in der Sommersaison 2026) pro Tag maximal 20 Abflüge und Ankünfte zählt und in der Regel zwischen 10 Uhr und 17 Uhr in einen Tiefschlaf verfällt? Herzlich willkommen im Flughafen Paderborn-Lippstadt. 2025 nutzten ihn 711.434 Passagiere, es gab 44.111 Flugbewegungen.
Am 19.6.2026 freute sich die Geschäftsführung über die Inbetriebnahme von vier elektrischen Fluggasttreppen und verkauft das als Nachhaltigkeit! Und weil der mit kommunalen Geldern am Leben erhaltene Regionalflugplatz so schön abseits liegt, dient er seit letztem Jahr auch Hundebesitzern und -besitzerinnen mit ihren Tieren als Rückzugsort für die Silvestergäste – eine geniale Idee!
Erst Anfang Juni 2026 endete das ehrgeizige Ziel, die „elementare Anbindung“ des Regionalflughafens an den Münchener Flughafen rein privatwirtschaftlich sicherzustellen. Schuld am Scheitern war natürlich nicht die größenwahnsinnige Idee an sich, sondern die steigenden Treibstoff- und Bürokratiekosten.
Nun hat die Europäische Kommission mitgeteilt, dass der Flughafen Paderborn/Lippstadt GmbH, der sich zu über 98 Prozent in kommunaler Hand befindet, 4,5 Millionen Euro Beihilfe erhalten darf: „Die Beihilfe ermöglicht es dem Flughafen Paderborn, Investitionen zu finanzieren, die seinen weiteren Betrieb als kommerzieller Flughafen sichern und gleichzeitig die Qualität seiner Verkehrsinfrastruktur und seiner Verkehrsdienste verbessern.“ so die EU-Kommission in ihrer Begründung.
Wie sinnvoll solche Kleinst-Regionalflughäfen sind, zeigt schon alleine der Stellenwert in den kommunalen Haushalten: Bis 2029 ist beispielsweise im Haushalt des Kreises Paderborn, der 77,94 Prozent der Gesellschaftsanteile hält, ein Zuschuss von 1,987 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen (zum Vergleich: der Zuschuss für das Theater Paderborn beträgt 1,855 Millionen Euro). Hinzu kommen Aufwendungen für die Anmietung von Pkw-Stellplätzen, Seminarräumen und einer Lagerhalle.
Am Beispiel des Regionalflugplatzes Paderborn-Lippstadt wird deutlich, wofür auch in Zeiten knapper Gelder Kommunen bereit sind, Geld auszugeben. 2020 meldete die private Flughafengesellschaft Insolvenz an. Nach hitzigen Diskussionen übernahmen die Landkreise Paderborn, Soest, der Hochsauerlandkreis und der Landkreis Höxter sowie die IHKen Ostwestfalen und Lippe die Gesellschafteranteile. In der Chronik der Gesellschaft fehlt die Insolvenz natürlich und es ist für 2021 nur von einem „Neustart mit neuer Geschäftsführung“ die Rede.
Fernab des Ziels der Profitabilität gibt es in Nordrhein-Westfalen vier Regionalflughäfen, die ausnahmslos nur deshalb existieren, weil es die Kommunalpolitik so will und die Einrichtungen mit Millionenbeträgen pro Jahr am Leben erhält. Konsequenzen aus dem defizitären Dauerzustand werden nicht gezogen. Zu groß scheint die Strahlkraft zu sein, einen Flugplatz sein Eigen nennen zu können. Doch passt dieses Verhalten in die heutige Zeit? Die 4,5 Millionen zusätzliche Überlebenshilfe fehlen dann an anderer Stelle – wo sie bestimmt sinnvoller und wirksamer eingesetzt werden können. Beim Erhalt der Schulgebäude, bei der Sanierung der Schwimmhalle, der Taktverdichtung auf stark nachgefragten Buslinien?
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