Das Bild zeigt eine belebte Straße in einer europäischen Stadt (erkennbar an den Verkehrszeichen und der Architektur) mit mehreren Fahrspuren und moderatem Verkehr. Autos fahren in beide Richtungen, auf der rechten Seite sind geparkte Fahrzeuge zu sehen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung beträgt 30 km/h, und es gibt einen Fußgängerübergang. Im Hintergrund sind historische Gebäude und ein Bus sichtbar, die Ampeln zeigen Grün. Die Straßen sind nass, was auf kürzlichen Regen oder feuchtes Wetter hindeutet. Fußgänger gehen auf dem Bürgersteig, und kahle Bäume deuten auf Herbst oder Winter hin. Foto: Viorel Vasadi, unsplash.com
Das Bild zeigt eine belebte Straße in einer europäischen Stadt (erkennbar an den Verkehrszeichen und der Architektur) mit mehreren Fahrspuren und moderatem Verkehr. Autos fahren in beide Richtungen, auf der rechten Seite sind geparkte Fahrzeuge zu sehen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung beträgt 30 km/h, und es gibt einen Fußgängerübergang. Im Hintergrund sind historische Gebäude und ein Bus sichtbar, die Ampeln zeigen Grün. Die Straßen sind nass, was auf kürzlichen Regen oder feuchtes Wetter hindeutet. Fußgänger gehen auf dem Bürgersteig, und kahle Bäume deuten auf Herbst oder Winter hin.


Die Bilder aus dem Juli 2021 sind wieder gegenwärtig: Weggespülte Häuser in Ahrweiler, Meterhochwasser in Erftstadt, Menschen auf Dächern, die auf Rettung warten, Bäume und Fahrzeuge, die vom Wassersog wie federleichte Spielzeuge fortgespült werden. Was vor einer Generation als Jahrhundertkatastrophe galt, wird zum Rhythmus des deutschen Sommers.

Diese Zunahme ist keine Laune des Wetters. Sie folgt physikalischen Gesetzmäßigkeiten, auf die Klimaforschende seit Jahrzehnten hinweisen und sie ebenso lange durch Studien und seriöse Projektionen belegen. Die Erdatmosphäre hat sich seit der Industrialisierung weltweit im Durchschnitt um über 1,2 Grad Celsius erwärmt. In Mitteleuropa nähern wir uns eher 2 Grad. Die Folge ist nicht häufigerer Regen, sondern konzentrierte Stark-Niederschläge mit Sturm, auf die unsere Infrastruktur, auf die wir, nicht vorbereitet sind. Wetterlagen, die entweder Dauerregen mit einem Niederschlag innerhalb weniger Stunden bringen, wie er sonst in einem ganzen Monat fällt oder Dauerhitze über 35 Grad produzieren, sind keine Ausreißer mehr. Sie sind die neue Mitte einer verschobenen Wahrscheinlichkeitsverteilung. Auch die rasante Temperaturänderung über wenige Tage macht insbesondere Säuglingen und älteren Menschen deutlich häufiger Probleme.

Der Verkehrssektor ist in Deutschland für knapp ein Fünftel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Solange der Großteil dieser Emissionen aus den Auspuffen von Verbrenner-Pkw und Kurzstreckenflügen stammt, treiben wir diesen Wandel aktiv voran. Hier setzt der öffentliche Verkehr als dreifache Gegenstrategie an – als Vermeidung, als Minderung und als Anpassung.

Vermeidung

Am schnellsten wirksam ist die Vermeidung von umweltschädlicher Mobilität. Denn sie entsteht erst gar nicht! Ein Weg, der durch intelligente Raumplanung und Siedlungsstruktur nicht gemacht werden muss, trägt am meisten zur Einsparung bei. Erreicht werden kann das durch eine andere Aufteilung öffentlicher Flächen, die Verdichtung im Wohnbestand, funktionale Durchmischung und Nahversorgung. Sie verkürzen Distanzen und ermöglichen aktive Mobilität statt motorisierter Fahrten. Wenn sich die Vermeidung nicht ganz erreichen lässt, wäre das nächste Ziel die ...

Minderung

Ein Eisenbahnzug oder ein Elektrobus im Linienverkehr, auch wenn sie nur zu 30 % besetzt sind, verursachen pro Personenkilometer nur einen Bruchteil der Emissionen, die eine Einzelperson im Pkw direkt und indirekt erzeugt. Verlagert sich Mobilität vom motorisierten Individualverkehr auf Bahn und Bus, sinkt der Gesamt-CO₂-Ausstoß messbar – und mit ihm das zusätzliche Risiko künftiger Extremwetterereignisse. Das ist keine politische Behauptung, sondern eine Rechengröße der Klimaphysik: Jedes vermiedene Kilogramm CO₂ trägt dazu bei, die weiter steigende Erwärmung zu begrenzen. Dazu gehört auch die Bündelung von Güterströmen über länger Distanzen. Ein Güterzug mit 20 Lkw-Aufliegern entlastet die Autobahnen um 20 einzelnen Fahrzeuge!

Anpassung

Der öffentliche Verkehr ist mehr als ein Klimaschutzinstrument. Er ist ein stadtplanerischer und sozialer Hebel gegen die Verletzlichkeit unserer Gesellschaft und Wirtschaft, die wir seit einigen Jahren erleben. Autos beanspruchen enorme Flächen, die dann für andere Nutzungen nicht zur Verfügung stehen und die Emissionen weiter nach oben treiben. Ein attraktiver ÖPNV braucht nur einen Bruchteil dieser Flächen. Wo Bus- und Bahnangebote so verdichtet werden, dass das Auto entbehrlich wird, entsteht die Möglichkeit für den in den Städten überall dringend benötigten Wohnungsneubau, der Entsiegelung, zur Schaffung von Grünflächen und öffentlichen Aufenthaltsflächen. Diese „Schwammstadt“-Elemente absorbieren bei Starkregen – wie im Ahrtal 2021 oder in Bayern 2024 – das Wasser, bevor es Keller und Straßen überflutet. Zugleich kühlen Bäume und Böden die Umgebung, wenn die nächste Hitzewelle über Deutschland liegt.

Die Empathie, die wir den Betroffenen der Flutkatastrophe von 2021 und den Überflutungen der folgenden Jahre jeden Tag schuldig sind, muss sich in Handlung umsetzen. Der ÖPNV-Ausbau ist keine ferne Utopie, sondern die konkreteste Möglichkeit im Verkehrsbereich zwischen individuellem Alltag und gesamtgesellschaftlicher Resilienz. Wer morgens im Zug sitzt statt im Stau oder sein Kind mit dem Fahrrad statt dem Auto zum Kindergarten bringt, verringert persönlich sein Unfallrisiko. Er trägt aber auch dazu bei, dass Städte insgesamt widerstandsfähiger werden können.

Die Wissenschaft ist in diesem Punkt unerbittlich klar: Je schneller wir den Verkehrssektor entkoppeln von fossilen Brennstoffen, je weniger wir insgesamt verbrauchen, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Ereignisse wie die Ahrflut zur Normalität werden. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist die vernünftigste Antwort auf das Unwetter von gestern – und die Vorsorge für die Städte von morgen.

Das Deutschlandticket alleine wird weder Klima noch Umwelt retten. Aber es ist eines von mehreren wirksamen Klimainstrumenten. Und es ist effektiv! Mit einem minimalen finanziellen Aufwand an Steuermitteln (3 Mrd. Euro) werden jeden Monat über 14 Millionen Menschen erreicht. Es könnte seine Rolle noch viel besser erfüllen, wenn es nicht nur als Tarifmaßnahme angesehen (und dann wegen der angeblich viel zu hohen Kosten abgelehnt) wird. Gemeinsam mit einem stetigen Ausbau des Angebotes auch in ländlichen Regionen, in denen bisher das Auto doiminiert und einer Verbesserung und Erweiterung bestehender Nutzungsmöglichkeiten wäre es ein entscheidendes Puzzleteil hin zu Vermeidung, Minderung und Anpassung an die Klimakrise.

Eine Bundesregierung, die nur die Elektrifizierung des bestehenden Pkw-Verkehrs als alleinige Klimaschutzmaßnahme versteht, ist zum Scheitern ihrer Politik verurteilt.

Zurück zur Übersicht